Entstehung und Entwicklung des Iaido
 

In keinem anderen Land der Erde hatte das Schwert als Waffe einen derart hohen Status wie in Japan erreicht. So werden noch heute berühmte Klingen in Shinto-Schreinen verehrt oder als nationale Kulturschätze in den Museen ausgestellt. Besonders wertvolle Klingen, die in wichtigen Schlachten zur Anwendung kamen oder als Anerkennungsgeschenke an die Samurais vergeben wurden, sind über Generationen als Teile der Familienschätze aufbewahrt und gepflegt worden.

Das Samurai-Schwert überragt in seiner Gesamtheit sämtliche in allen Ländern der Erde hergestellten Klingen an Stärke, Schönheit und Schärfe.

Für die japanische Kriegerkaste war das Schwert immer ein Statussymbol und Zeichen seiner Ritterehre. Der Schwertkampf wurde seit dem frühen Mittelalter von den Bushi (Kriegern) regelmässig und intensiv geübt. Viele Schwertkampfschulen mit unterschiedlichen Stilrichtungen gaben ihr Wissen an die Schüler weiter. Interessant dabei ist, dass jede Schule von sich behauptete, die einzig richtige und effektivste Technik zu lehren.

Das Iaido entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert hauptsächlich aus dem Iaijutsu und dem Kenjutsu. Die einzelnen Begriffe können wie folgt definiert werden:

Iaijutsu:  Fertigkeit das Schwert blitzschnell aus allen erdenklichen Stellungen und Positionen zu ziehen
Kenjutsu:  Allgemeine Schwertkampftechnik
Iaido:  Nebst dem Erlernen von Techniken des Iaijutsu und Kenjutsu ist hier die geistige und spirituelle Schulung von grosser Bedeutung. Der Lernende muss stets darum bemüht sein, die Aufmerksamkeit, Haltung, Entschlossenheit, innere Ruhe und Harmonie zu verbessern und weiter zu entwickeln. Wie schon das Wort Do = Weg besagt, ist der Weg das Ziel.

Der grosse Unterschied zwischen dem Iaido und den genannten Jutsu-Techniken liegt darin, dass Iaido in der Regel alleine gegen imaginäre Gegner praktiziert wird. Philosophisch gesehen ist es ein Kampf gegen sich selbst und die eigenen Unzulänglichkeiten, was höchste mentale Konzentration und Körperbeherrschung voraussetzt. So liegt die Essenz des Iaido nicht im Besiegen eines äusseren Gegners sondern in der Bezwingung des eigenen Egos.



Zum Begriff Iaido
(Quelle: Deutscher Iaido Bund)

Die erste Silbe "Iai" setzt sich zusammen aus zwei Schriftzeichen, I(ru) = sein, und Ai(Au) = zusammenpassen. Beides vereint bedeutet so viel wie "ganz da sein" oder "ganz dabei sein". Die zweite Silbe "Do" bedeutet Weg. Damit ist der Vorgang der persönlichen Ausbildung gemeint. In dessen Mittelpunkt steht das Üben einer bestimmten Fertigkeit. Das endgültige Ziel liegt in der Erweiterung der in jedem Menschen befindlichen Fähigkeiten, durch die er sein Leben mit Bewusstsein und Erkenntnis füllen kann.

Zweck des Iaido ist daher zunächst zu erlernen, wie man das Schwert in allen möglichen Situationen gezielt und sicher bewegen kann. Dies allein wäre Iai-Jutsu: Schwertkampftechnik um des wirklichen Kampfes willen. Iai-Jutsu alleine ergibt aber keinen wahren Fortschritt. Beim Iaido geht es nicht nur um die Methode andere mit dem Schwert zu besiegen. Es geht darum das eigene Selbst, das Ego, zu treffen und zu überwinden. Die vielen Schwierigkeiten im Umgang mit dem Schwert zwingen jeden ernsthaft Übenden zu einer intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst. Das Ringen um die Beherrschung des Schwertes und die dafür nötige Überwindung des eigenen Selbst ist der eigentliche Beginn der Ausbildung.

Die Situation des klassischen Schwertkämpfers, der gezwungen ist sich gegen einen drohenden Angriff zur Wehr zu setzen, steht nun stellvertretend für alle Handlungen des modernen, täglichen Lebens. Nur wenn der Geist frei ist von Zweifeln und Ängsten, kann man vorausschauend und im Einklang mit den Umständen handeln. Das grösste Ziel besteht darin einen möglichen Kampf zu beenden, ohne das Schwert überhaupt zu ziehen.